10/10/2018
Rückabwicklung eines Kaufvertrags über eine Federzeichnung – Werk vorsätzlich einem falschen Künstler zugeschrieben.
Eine Kunsthändlerin hatte in ihrem Verkaufskatalog eine Tuschfederzeichnung für € 22.000 wie folgt angeboten:
„Carl Phillip Fohr, „Die Schwalbe von Neckarsteinach „Tuschfederzeichnung..“.
Die Bildunterschrift lautete
„vgl. Carl Rottmann, Ausst. Kat….Abb 3(dort fälschlich Carl Rottmann zugeschrieben“.
Bei ihren Angaben verließ sich die Kunsthändlerin auf Angaben der früheren Eigentümerin. Eigene Nachforschungen hatte sie nicht unternommen.
Der spätere Kläger kaufte die Zeichnung. Zweieinhalb Jahre nach dem Kauf kamen dem Kläger Bedenken wegen eines Artikels in einem Kunstmagazin. Danach war die Zeichnung eher Rottmann zuzuschreiben. Durch Sachverständigengutachten ist mittlerweile geklärt, dass die Arbeit nicht von Carl Phillip Fohr stammt. Der Kläger forderte die Kunsthändlerin zur Rückabwicklung des Kaufs, ohne ihr vorher eine Frist gesetzt zu haben.
Das OLG Frankfurt gab der Klage statt. Die Leitsätze der Entscheidung:
Eine Zeichnung, die entgegen der vom Verkäufer erstellten Katalogbeschreibung nicht der Hand des konkret benannten Künstlers zuzuordnen ist, ist mangelhaft.
Ein Verkäufer, der sich hinsichtlich der Herkunftszuordnung entgegen einer schriftlich publizierten Einschätzung eines Experten auf mündliche Angaben anderer Sachverständiger verlässt, handelt arglistig im Rechtssinne, wenn er die Herkunftszuordnung des Experten in seiner Katalogbeschreibung ohne Einschränkung als, 'fälschlich zugeschrieben' bezeichnet, ohne die ihm zugetragenen gegenteiligen mündlichen Angaben hinlänglich kritisch überprüft zu haben.
Pressemitteilung
https://ordentliche-gerichtsbarkeit.hessen.de/pressemitteilungen/fremde-feder
Urteil:
http://www.lareda.hessenrecht.hessen.de/lexsoft/default/hessenrecht_lareda.html :8076203
Nr. 18/2018Der Kläger ist Kunstliebhaber und -sammler. Er erwarb bei der beklagten Kunsthändlerin eine Tuschfederzeichnung. Das Werk war im Katalog der Beklagten mit der Angabe: „Carl Philipp Fohr „Die Schwalbe zu Neckarsteinach“ Tuschfederzeichnung in Grauschwarz und Grau über Bleistift 18...