31/08/2025
40 Jahre
Werte Kundschaft,
nun ist es schon fast über 40 Jahre her, am 2.09.1985 begann ich meine Lehre zum Kfz.-Schlosser. Es hat sich viel getan in diesen 4 Jahrzehnten, bei mir persönlich, aber auch in meinem Beruf. Das Automobil gibt es seit 1886, 139 Jahre, 40 davon durfte ich bis jetzt schon miterleben, geschraubt habe ich schon an vielen Mobilen; PKW, LKW, Omnibusse, Traktoren, Asphaltfräsen, Flugzeugschleppern, Panzern, Mofas, Motorrädern, Motorrollern und was weiß ich noch alles. Die Fahrzeuge die damals Aktuell waren nennt man heute “Oldtimer“, Klassische Fahrzeuge. Von dem, was ich damals gelernt habe ist heute aber auch nicht mehr viel übrig. Vom Vergaser zur Elektronischen Einspritzung, vom Tacho mit Wellenantrieb zum Tablet, ABS, Abstandswarner, Wischautomatik, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Navigation und jetzt sogar Autonomes Fahren, um nur einige wenige Neuerungen zu nennen. Da hat sich viel getan. Das ist sehr Faszinierend, aber auch Anspruchsvoll, da man ständig am Lernen ist, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Ich habe aber auch viel erlebt auf meinen beruflichen Stationen, 9 Jahre Mercedes-Benz in Frankfurt am Main, 2 Jahre Mercedes-Benz in Moskau, 4 Jahre ARAL-Tankstelle in Ranstadt, 20 Jahre ASR in Nidda und jetzt schon wieder 5 Jahre in meiner Scheune in Schwickartshausen, zudem arbeite ich seit Februar 2025 in der Frankfurter Klassikstadt bei einer Fachwerkstatt für Klassische Mercedes-Benz Fahrzeuge mit, zwischendrin, 1989 / 1990, die Bundeswehr, 1993 die Meisterprüfung und jetzt 2025 die Weiterbildung zum Kfz-Sachverständigen. In Frankfurt habe ich 1987 auf der IAA mitwirken dürfen, da bin ich im Anzug rumgerannt und habe Kunden betreut, dort in der Werkstatt hab ich auch mal mit einem Lehrling zusammen einen LKW - Motor in Rekordzeit ausgebaut. Das Fahrzeug kam mit defekter Kupplung auf den Hof. Ich bekam 10 Minuten später den Auftrag, fuhr den 1635 mit V8 Motor auf die Grube, kippte das Fahrerhaus und los ging`s. Der Lehrling und ich waren ein eingespieltes Duo, nicht mal eine halbe stunde später stand der Motor neben dem LKW und war noch warm. Am Frankfurter Flughafen durfte ich bei allen Flugzeugschleppern nach und nach die Motoren ausbauen und die Lagerung der Kurbelwelle umbauen. Oder in Moskau. Wegen der Unsicheren Situation hatten wir bewaffnetes Sicherheitspersonal auf dem Hof. Eines Tages wurde Alarm geschlagen und wir mussten uns im Büro einschließen. Zwei verfeindete “Banden“ hatten sich mit Waffen um eine S-Klasse gestritten. Oder der Kunde an der Tankstelle in Ranstadt der in Hektik Frostschutzmittel gekauft hatte, für den Kühler wollte er es. 10 min später kam er zurück und berichtet von einer verschmierten Windschutzscheibe. Oder auch die Kundin in Nidda, die nach der Begutachtung ihres Fahrzeugs, das auf der Hebebühne war und wir standen drunter, einen Kostenvoranschlag für die Reparatur haben wollte. Ich sagte ihr, das ich dazu den Fahrzeugschein benötige, worauf sie auf den Hof ging, wieder in die Werkstatt kam und voller Schreck und Entsetzen verkündet, das ihr Fahrzeug nicht mehr da ist, es ist weg. Kurzes Schweigen und dann lautes Gelächter. Das sind nur einige Erlebnisse, nach 40 Jahren könnte ich ein Buch schreiben. Ich hatte, wie viele andere auch, Höhen und Tiefen in meinem Beruf, kann aber jetzt nach 40 Jahren ganz klar sagen, das ich meinen Beruf sehr gerne und mit Leidenschaft ausübe. Es ist immer wieder ein schönes Gefühl wenn ein Repariertes Auto aus der Werkstatt gefahren wird und ordnungsgemäß an den Kunden übergeben werden kann. Ich wage auch zu behaupten, das mein Beruf einer der Anspruchvollsten, wenn nicht sogar der Anspruchvollste, Handwerksberufe ist. Gerade das macht ihn so Spannend, jeden Tag eine neue Herausforderung, kein Tag ist wie der andere. Ständig neue Technik und dadurch stetige Weiterbildungen. Ich bedanke mich bei den Menschen, die mich in den 40 Jahren begleitet haben. Mein besonderer Dank gilt aber zwei meiner Altmeister: Eckehardt Guerth und ganz besonders Manfred Vey, zu dem ich noch heute persönlichen Kontakt habe. Diese 2 Männer haben mich Beruflich geprägt wie keine anderen. Ein paar Jahre werde ich ihnen noch erhalten bleiben, wenn nicht als Schrauber dann als Gutachter. Vielen Dank für die vielen Jahre.