05/09/2022
Querulanten im Verein: Warum zieht die Vereinsarbeit so viele "schwierige" Persönlichkeiten an?
Vor einigen Jahren saß ich im Vorstand eines bundesweit tätigen Vereins und sollte die Mitgliederversammlung organisieren. Auf der Suche nach einem Tagungsraum hatten wir einige Absagen bekommen. Kurz vor dem Termin waren wir endlich fündig geworden.
Die verbindliche Zusage des Vermieters stand aber noch aus. Um die Einladungen trotzdem fristgerecht verschicken zu können, nannten wir als Versammlungsort nur die Stadt und schrieben: "Genaue Adresse folgt".
Sofort schrieb uns ein Mitglied eine E-Mail: Die Einladung sei wegen der unbestimmten Ortsangabe nicht wirksam. Unverhohlen drohte er damit, alle Wahlen und Beschlüsse anzufechten, wenn die Versammlung nicht noch einmal "richtig" einberufen würde.
Unsere Bemühungen für eine einvernehmliche Lösung waren vergebens. Das Mitglied zog vor das interne Vereinsgericht, das im Eilverfahren entscheiden musste.
Das Gericht beschloss, dass die Angabe der Stadt ohne Adresse ausnahmsweise ausreichte. Wir hatten die Adresse direkt nach der Einladung nachgeliefert und die Mitglieder waren in ihrer Reiseplanung nicht beeinträchtigt. Die Versammlung konnte stattfinden.
Ich erinnere mich bis heute, wie viel Zeit und Nerven uns die Geschichte gekostet hat. Hätte die Versammlung so kurzfristig verschoben werden müssen, wäre das finanziell und organisatorisch ein Desaster gewesen.
Das besagte Mitglied war im Verein bekannt. Aber nicht für sein Engagement, sondern dafür, andere auszubremsen und Streit anzuzetteln.
Geschichten wie diese habe ich in meiner ehrenamtlichen Arbeit häufig erlebt. Ich erkenne hier ein Muster. Typische Vereins-Querulanten
⚔️ führen einen ständigen Krieg gegen den Vorstand,
🙅♂️ sind nicht offen für Sachargumente und Kompromisse,
📃 berufen sich gerne auf Satzung und Ordnungen (und halten verbissen am Wortlaut fest),
😴 haben im Verein keine aktive Rolle bzw. füllen diese nicht konstruktiv aus,
🚫 erfahren wenig Bestätigung außerhalb des Vereins und können deshalb nicht "loslassen".
Gerade der letzte Punkt scheint eine wichtige Erklärung für das Phänomen zu sein. Dem Querulanten geht es um Aufmerksamkeit!
In den regelgebundenen Strukturen eines Vereins muss jedes Mitglied angehört und beteiligt werden (Rederecht, Antragsrecht etc.). Während der Störer anderswo ausgegrenzt wird, muss sich der Verein mit ihm beschäftigen. Dadurch erhält er eine Bühne für sein Verhalten.
Was können Vereine gegen Querulanten tun?
🔎 Wenn möglich: Vor Aufnahme eines Mitglieds umfassenden Screening-Prozess durchführen.
🧘 Don’t feed the troll: Nicht provozieren lassen!
🤝 Angebote für konstruktive Mitarbeit machen.
📝 Rechtssichere Formulierungen in Satzung und Ordnungen.
👟 Vereinsausschluss als letztes Mittel (nur bei nachweisbarem Satzungsverstoß!).
Was sind eure Erfahrungen mit Querulanten? Was steckt dahinter? Wie sorgt man dafür, dass andere Mitglieder den Spaß am Ehrenamt nicht verlieren?