29/04/2026
Edith Kindermann sagt von sich, dass Menschen, die sie privat kennen, nie auf die Idee kämen, sie sei Juristin. Trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – hat sie am 21. April in Hamburg den Emil-von-Sauer-Preis des Hamburgischen Anwaltvereins erhalten.
Der Namensgeber, Dr. Emil von Sauer (1889–1967), stand selbst unter dem Druck des NS-Regimes: Als Sohn einer jüdischen Mutter wurde er während der Nazi-Zeit beruflich diskriminiert und verfolgt. Und doch fand er nach 1945 die Kraft, den Deutschen Anwaltverein als dessen erster Nachkriegspräsident wiederaufzubauen und 1946 den Hamburgischen Anwaltverein zurück ins Leben zu rufen. Wer weiß, was dieser Mann durchgemacht hat, versteht, warum sein Name für Haltung, Unabhängigkeit und Verantwortung gegenüber dem Rechtsstaat steht.
Den Preis erhielt in diesem Jahr Dr. h.c. Edith Kindermann, bis Februar 2025 Präsidentin des Deutschen Anwaltvereins. Als Familienrechtlerin kennt sie die Fälle, hinter denen keine abstrakten Rechtsfragen stecken, sondern zerbrochene Leben. Ihr Antrieb? Sie formuliert ihn selbst: „Wann immer jemand klein gemacht wird und nicht aufstehen kann, um sein Recht durchzusetzen, kann ich das nicht ertragen."
Laudator Dr. Marco Buschmann, Bundesminister der Justiz a.D., brachte es auf den Punkt: Sie sei nicht nur eine herausragende Vertreterin ihres Berufsstandes; sie sei „wie gemacht für den Preis."
Den Abschluss der gelungenen Veranstaltung machte Svenja Marie Kantelhardt, Hamburger Siegerin des Jura-Slams 2025, und das gerade einmal zwei Wochen vor ihrem zweiten Staatsexamen. Sie zeigte, dass juristische Präzision und sprachliche Leichtigkeit kein Widerspruch sind, sondern sich im besten Fall gegenseitig schärfen. Davon können wir uns beim Verfassen des nächsten Schriftsatzes eine Scheibe abschneiden!
Was bleibt: Ein Abend, der gezeigt hat, dass Rechtsstaat kein trockenes Konzept ist, sondern von Menschen getragen wird, die dafür einstehen wollen. In Zeiten wie diesen keine Selbstverständlichkeit und deshalb umso wertvoller.