15/07/2026
Normalerweise teile ich hier selten Details oder Ergebnisse aus laufenden oder abgeschlossenen Gerichtsverfahren. Die Arbeit in der Nebenklage ist oft diskret und findet im Schutzraum der Verhandlung statt. Doch die letzten Tage haben mich persönlich und beruflich tief bewegt. Ich hatte in zwei sehr unterschiedlichen Verfahren, in denen ich als Nebenklagevertreterin für meine(n) Mandantin bzw. Mandanten gekämpft habe, kurz hintereinander Urteilsverkündungen.
Im ersten Fall – einem Totschlag in einer Obdachlosenunterkunft – konnten wir durch die Nebenklage (mit dem Kollegen Rechtsanwalt Kemal Su) maßgeblich dazu beitragen, dass der Angeklagte zu 13 Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt wurde. Insbesondere die Sicherungsverwahrung war aus unserer Sicht ein Thema, das zwingend zu prüfen war. Das Urteil war also ein wichtiges Signal: Das Leben des Opfers hat einen hohen Stellenwert.
Im zweiten Fall – einem Verfahren wegen häuslicher Gewalt – fiel nun ebenfalls das Urteil: 3,5 Jahre Haft. Ein Ehemann, der seine Frau vor den Augen der gemeinsamen Kinder in Angst und Schrecken versetzte und massive Gewalt gegen seine Frau ausübte, wurde bestraft. Meine Mandantin ist bis heute maßgeblich in ihrer Lebensführung beeinträchtigt.
Die Nebenklage ist weit mehr als eine „Nebenrolle“ ist. In Fällen von Tötungsdelikten, Gewalt, Sexualstraftaten – in denen Opfer und/ oder Angehörige oft traumatisiert und eingeschüchtert sind – ist sie essenziell. Wir sorgen dafür, dass die Stimme der Betroffenen nicht ungehört bleibt, ihre Perspektive im Prozess präsent ist und das Ausmaß des Leids vollumfänglich gewürdigt wird.