14/12/2025
„Man hat Todesangst, wenn plötzlich flüssiger Stahl umherfliegt.“ Der Stranggießer Michael F. (46) erinnert sich an das infernalische Geschehen an jenem Tag im Mai 2025, im Brandenburger Elektrostahlwerk, als ein Düsendurchbruch zum Auslaufen von flüssigem Stahl auf die darunterliegende Kabeltrasse führte.
Durch die mehrere Tausend Grad heiße Masse kommt es rasch zu gleißenden Flammen, Funkenschlag, Rauch und Detonationsgeräuschen.
Mit einem Wasserschlauch versuchen Riva-Mitarbeiter, den Brand unter Kontrolle zu bekommen.
F. wird durch einen Vorgesetzten das Mobiltelefon entwendet, in der Annahme, er habe den Brand filmen wollen. Tatsächlich habe sein Mandant das Handy bereithalten wollen, um zwecks Rettung von Leib und Leben einen Notruf abzusetzen, sagt sein Anwalt Simon Daniel Schmedes.
Als Michael F. das Handy schließlich mit einem Hitzeschaden am Gehäuse zurückerhält, soll er seinen Vorgesetzten schlimm bedroht haben. Unter anderem soll er gedroht haben, seinen Vorgesetzten „fertigzumachen“: Er würde Leute kennen, die das regeln würden.
Wenige Wochen darauf kündigt Riva dem Brandenburger mit Verweis auf sein Fehlverhalten.
Doch der bestreitet die Vorwürfe, klagt gegen seine Kündigung, kritisiert betriebliche
Defizite beim Arbeitsschutz: Mitarbeiter, die den Notruf nicht wählen sollen, unzureichende arbeitsmedizinische
Betreuung, etc,
Gleichzeitig führt er ein medizinisches Gutachten ins Feld. Es attestiert Michael F. eine stressbedingte Amnesie sowie allgemeine Symptome einer psychischen Nachbelastung durch die extreme Ausnahmesituation beim Brand im Stahlwerk.
Beim Stahlkonzern hält man das jedoch für wenig glaubwürdig.
Das Vergleichsangebots von Riva lehnt Michael F. ab, der seit 14 Jahren im Stahlwerk arbeitet. „Ich will auf jeden Fall weiter beschäftigt werden“.
Der Fall soll nun vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg landen.
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Quelle: „Nach Brand im Brandenburger Stahlwerk: Riva kündigt
langjährigem Mitarbeiter“ Moritz Jacobi, Märkische Allgemeine Zeitung, 28.11.2025