19/02/2026
Gutes Reiten findet in der Stille statt
Früher war es üblich, dass bei der Arbeit mit den Pferden Stille herrschte. Kein Handy, keine Musik über Kopfhörer und auch im Stall wurde die Arbeit in angemessener Lautstärke erledigt. Reitanlagen waren ein Ort der Ruhe. Das geschah nicht nur aus Rücksicht auf die empfindlichen Pferdeohren und das feinere Gehör des Pferdes. Wie will ich in mein Pferd hineinhorchen, auf jedes Detail achten, Reiten zur Kunst werden, nicht zur Technik verkommen lassen, wenn ständig Ablenkung vorhanden ist? Und die nächste Frage ist: Warum ertragen scheinbar viele Reiter mittlerweile diese Stille nicht?
Ein besonderes Ausmaß dieser scheinbar nicht mehr erträglichen Ruhe finden wir auf Pferdeveranstaltungen. Da werden selbst junge Pferde einer Lautstärke von Musik ausgesetzt, die, wenn man die Augen schließt, sofort an ein Partyzelt denken lässt. Entsprechend reagieren die Pferde: Angespannt strampeln sie, von den Reitern ordentlich festgehalten, um die Flucht zu verhindern, unter dem Beifall des Publikums. Die laute Musik und die Atmosphäre sorgen dafür, dass viele Zuschauer sich mitreißen lassen, anstatt genauer und vor allem, mit fachlicher Sicht, hinzuschauen. Emotionen und Situationen werden von den Profiteuren erzeugt, die die fachliche Sicht auf das Geschehen erfolgreich ausblenden. Die Wirkung auf den reiterlichen Nachwuchs ist ebenfalls fatal. Wir brauchen die Nachwuchsreiter, die nicht glauben, Reiten sei Glanz, Glamour, Sehen und Gesehen werden, sondern die sich in die stille und meistens unsichtbare Arbeit hineinbegeben wollen, Pferd und Reitlehre in Gänze zu erfassen.
Das ist kein Plädoyer dafür, sämtliche Reize vom Pferd fernzuhalten. Wir können aber die Natur des Pferdes nicht verändern und sollten, wenn wir schon das Pferd für uns nutzen, doch wenigstens Rücksicht nehmen und jedes Ausmaß hinterfragen.
Für viele Pferdeleute, wenn man sie fragt, sind die stillen Stunden allein bei den Pferden die Momente, die die schönsten sind, die Kraft geben und an die man sich immer wieder mit einem Lächeln erinnert. Eine Rückbesinnung in diese Richtung ist ein Anfang, durch den Reiten wieder erlebbar zu Kunst und Können wird und nicht zur Effekthascherei.