06/02/2026
In Wirklichkeit geht es nicht um Eike Mross.
Eike Mross ist nur das erste Opfer einer selbstgewählten Form der Selbstdarstellung. Viel schlimmer ist, dass Influencer wie Eike Mross gehypt und von ihrer Fangemeinde als Vorbild genommen werden, ohne dass es hierfür einen sachlichen Grund gäbe. Es zählt nicht das jagdliche Wissen und die fachliche Kompetenz, sondern nur noch, wer sich selbst am besten im Netz und den sozialen Medien produziert und entsprechend vernetzt ist. Befeuert wird das Ganze durch die Jagdindustrie, die in den Influencern und Huntresses willige Opfer zur Vermarktung ihrer Produkte findet. Diese wiederum geifern hiernach und präsentieren auch noch den letzten Schrott, weil es finanzielle Vorteile mit sich bringt.
Viele der sogenannten Influencer haben im realen Leben nichts auf die Kette bekommen, sind aber mit der Gabe der Selbstdarstellung gesegnet, die sich hier wunderbar zu Markte tragen lässt. Man braucht nur eine Jägerprüfung, auf die man sich online vorbereitet und nach einer Woche Präsenzunterricht schafft.
Von Jagd hat man dann aber noch lange keine Ahnung.
Echte jagdliche Kompetenz oder Erfahrung ist selten. Die wirklichen Jäger, die echten Experten haben eine solch ausgeprägte Selbstdarstellung nicht nötig. Sie wirken im Stillen und verbringen ihre Zeit in den Revieren, statt jeden Toilettengang der Fangemeinde zu dokumentieren. Sie scheuen die Öffentlichkeit und suchen die Stille der Natur.
Die falsche Anerkennung der Fangemeinde lässt diese Menschen tatsächlich glauben, sie verfügten über jagdliche Kompetenz, was zu solchen Auswüchsen wie dem Fall Eike Mross führt.
Dumm ist nur, wenn man die eigene Inkompetenz öffentlich zur Schau stellt und sich dann wundert, wenn ein Sh*tstorm über einen hereinbricht. Mitleid braucht man hier nicht zu haben – wer bewusst den Weg der öffentlichen Selbstdarstellung wählt, um sich zu profilieren und wirtschaftliche Vorteile daraus zu ziehen, der nimmt die Folgen sehenden Auges in Kauf und muss sich der Konsequenzen klar sein, die entstehen, wenn sich die Masse auf einmal gegen einen wendet.
Das Phänomen, dass nicht Der am besten gehört wird, der die Wahrheit sagt, sondern Der, der am lautesten schreit, ist nicht neu.
Neu ist dieses Phänomen nur in der Jagd. Jagd ist -war- still. Jagd ist Handwerk. Jagd ist Einheit mit der Natur. Das Laute, Schrille, Marktschreierische der Influencer-Kultur und der damit verbundene Kommerz sind weit weg von dem, was unsere Jagd wirklich ausmacht.
Allerdings lässt sich mit echtem Waidwerk kein Geld verdienen, vielmehr kostet es - oftmals auch Schweiß und Tränen.
Während sich die Pseudo-Jäger mit ihren Influencern auf Festivals, Messen und Partys lautstark selber feiern, tun die echten Jäger in den Revieren still ihren Dienst an Wald, Wild und Natur. Wer die Jagd wirklich lebt, hat für so einen Scheiß keine Zeit.
Die Spaltung ist offensichtlich und schadet dem Ansehen der Jagd und deren Protagonisten in der Öffentlichkeit. Wenn das, was uns Influencer und die dahinterstehende Industrie als Jagd verkaufen, von der Öffentlichkeit als Jagd wahrgenommen wird, können wir einpacken.
Leider beziehen unsere Verbände keine bis maximal verhaltene Stellung hierzu, weil auch unserer Verbände und ihre Funktionäre von dem Kuchen etwas abbekommen möchten. Man will sich weder mit der Politik, noch mit der Wirtschaft über Kreuz legen. So schwimmt man selber im Mainstream der sozialen Medien mit, was teilweise lächerlich, teilweise grotesk wirkt und den eigenen Grundsätzen manchmal zuwiderläuft.
Bitte nicht falsch verstehen: Der Einsatz der sozialen Medien für eine sinnvolle und faktenbasierte Öffentlichkeitsarbeit ist unverzichtbar – wenn er denn seriös ist. Huntresses mit substantieller Oberweite, weit ausgeschnittenen Shirts und knappen Höschen oder auch Knaben kurz nach der Jägerprüfung und wie frisch aus dem Jagdkatalog sind hier wenig überzeugend und vermögen der Öffentlichkeit kein seriöses Bild von der Jagd zu vermitteln.
Wissen zählt und überzeugt.
Zum Glück gibt’s auch noch die Anderen – die, die sich nicht jeden Tag produzieren, sondern nur dann, wenn es darauf ankommt, und dem Influencertum Paroli bieten. Der Sh*tstorm zeigt, dass auch die Anderen wach sind, selbst ohne mediale Präsenz 24/7.
Die nun geführte Diskussion ist längt überfällig und dringend nötig. Bedauerlich ist, dass es nun einen Einzelnen trifft, der stellvertretend für die Masse an den Pranger gestellt wird – aber jeder wählt sein Schicksal schließlich selbst.